ALEXANDER GNÄDINGER : “100 Girls On Polaroid”

Ausstellung vom 22.09. – 26.11.2010

Thema Sophie räkelt sich entspannt im Halbschatten, Anna schaut scheu über die Schulter, Marlene albert mit einem Stuhl herum,“100 Girls on Polaroid“ hat der in Berlin lebende Fotograf Alexander Gnädinger in New York, Paris, Berlin und anderswo auf der „Suche nach authentischer Schönheit“ fotografiert und daraus ein Buch gemacht; 2009 erschienen, ist es besonders in Deutschland und Frankreich und nicht nur in der Modewelt mit Begeisterung aufgenommen worden. Nun präsentiert G3Gallery eine Auswahl der Bilder als Prints auf Büttenpa- pier in einer konzentrierten Galerieausstellung.

Hintergrund Die Bilder zeigen junge Frauen – allesamt Models – in natürlicher Aufmachung und Haltung, oft in starker Nahaufnahme, auf unaufgeregte, lässige Weise schön. Für Gnädinger, der als Fashion-Fotograf vertraut ist mit Glanz, Glamour und dem Anspruch auf Perfektion, stand am Anfang dieses Projekts der Wunsch, die Persönlichkeiten der Models sichtbar zu machen – in einer Welt, die besessen ist von makellosen Oberflächen, ein beinahe romantisches Ansinnen. Doch es gelingt: Die „100 Girls on Polaroid“ werden in Gnädingers Bildern zu Individuen mit Konturen und Eigenschaften, die ohne Scheu vermeintliche Makel wie blaue Flecken, Mutter- male oder Augenringe zeigen und dennoch nichts von ihrer natürlichen Schönheit einbüßen.
Der Anspruch auf Realitätsbezug wird unterstützt durch die Orte, an denen Gnädinger fotografiert hat: Bewusst hat er nicht durchdesignte Hotelsuiten als Räume gewählt, sondern zeigt seine Models vornehmlich in alltäglich- er, erkennbar abgenutzter Umgebung. Technisch verfolgt Alexander Gnädinger seine Suche nach authentischer Schönheit mit einer einfachen Polaroidkamera (image 1200). Manche Bilder sind unscharf, die Lichtverhältnisse häufig nicht optimal, die Farben auf charakteristische Weise abgefälscht. Und genau aus dieser Kombination von spontaner Szene, alltäglicher Umgebung und unvollkommener Technik entsteht der intime Zauber von Gnädingers Fotografien.
Denn das ist es, was an den Bildern besonders gefangen nimmt: Obwohl wir daran gewöhnt sind, Fotografien von Models zu sehen – auch Nahaufnahmen, auch vorgeblich private Momente – ist im Unterschied dazu in Gnädingers Bildern zu spüren, dass sie im Rahmen eines intimen, 1:1-Shootings entstanden sind. Den übli- chen professionellen Fotoproduktionen, an denen mitunter dutzende Menschen beteiligt sind, setzt Gnädinger eine Art Ateliersituation entgegen, bei der Frau und Fotograf einander ganz allein gegenübertreten, so wie klassischerweise im Künstleratelier das Modell dem Maler alleine gegenübertritt. Auf diese Weise ist es Alexan- der Gnädinger geglückt, besondere, intime Momente einzufangen und dabei Bilder individueller Schönheit zu schaffen, die zeitgenössischer nicht sein könnten.

Der Fotograf (geb. 1970 in Konstanz) lebt und arbeitet seit 1998 als freier Fotograf in Berlin. www.alexandergnaedinger.de