Ruben Brulat: “Immaculate & Primates”

Ausstellung vom 28.05.2010 – 31.07.2010

Thema Was geschieht, wenn man sich einer kalten Büroarchitektur ausliefert, mitten in der Nacht, entledigt all seiner Kleider? Was geschieht, wenn man genauso nackt Teil der Natur wird, irgendwo im Nichts? Der Fotograf Ruben Brulat macht es vor: Er setzt seinen Körper ein, um die Beziehung des Einzelnen zur Welt zu zeigen, seine Schutzlosigkeit, seine Unschuld, seine Macht.

Hintergrund „Als ich anfing, Fotos von mir selbst zu machen, konnte ich das Unbehagen, das mich an diesen Plätzen beschlich, viel einfacher ertragen: Indem ich mich auszog, ging ich eine totale Symbiose mit der Umwelt ein. Und je mehr Bilder ich machte, desto klarer wurde mir das. Eine Fiktion zu erschaffen kann einen näher zur Realität bringen.“ Der Franzose Ruben Brulat geht bei seinen Aufnahmen nach einem genau konzipierten Drehbuch vor. Bei seiner Serie „Immaculate“, in dem die gesichtslose Bürostadt „La Défense“ vor den Toren von Paris im Mittelpunkt steht, wartet er, bis die letzten Angestellten die Gebäude verlassen haben und wandert so lang durch die Betonschluchten, bis er von einem Ort inspiriert ist. Er träumt sich in die Szenerie hinein, bis der Drang so groß wird, selbst Teil des Bildes zu werden. Die technischen Parameter sind gesetzt, dann zieht sich der Fotograf aus, läuft an eine bestimmte Stelle, kauert sich hin oder drückt sich an eine
Säule oder legt sich flach auf den Boden und verharrt dort regunglos. Sein Körper wird zur Eigenprojektion im großen Ganzen, nimmt Besitz von der Architektur der Häuser, tritt in Wechselwirkung zur Welt der Wirtschaft, die ihn als Individuum dominiert und die er als selbstbestimmter Störfaktor nun auf gegenläufige Weise ebenfalls dominieren kann. Auch in der Serie „Primates“ geht Ruben Brulat eine Symbiose seines Ichs mit der Umgebung ein, diesmal gleich mit der „ganzen“ Natur. Kaum zu erkennen ist in den großen Landschaftspanoramen der eine, wie verloren wirkende, entblößte Körper – hier geht es um den Verlust von Identität, wenn der Mensch zwischen Grashügel, Flussbett oder Schneefeld zum Bestandteil von Natur wird und sich die Frage des Überlebens, des eigenen und des der ganzen Gattung, stellt. Wo kommen wir her und können
wir dahin zurück? Wie wird unser Verhältnis zur Natur morgen sein? Welche Geschichten werden bleiben? Ruben Brulats Bilder sind immer auch poetische Variationen des einen Ur-Themas: Was ist das eigentlich, das „Sein“?

Der Fotograf Ruben Brulat, geboren 1988, lebt in Paris. Obwohl er erst seit gut zwei Jahren fotografiert, reißen sich internationale Magazine wie Wallpaper oder Esquire um den 21-Jährigen. Werke von ihm waren bereits in Paris, Los Angeles und Dubai zu sehen. Die G3 Gallery in Hamburg zeigt Ruben Brulats erste Einzelausstellung.
Mehr Informationen unter: www.rubenbrulat.com