Sigrid Rothe: “Tihar”

Ausstellung vom 13.11.2009 – 31.01.2010

Thema In einem lyrischen Kosmos von Zeichen bewegt sich die Ausstellung „Tihar“ von Sigrid Rothe, die die G3 Gallery passend zur besinnlichen Zeit präsentiert. Wir sehen Mandalas, auf Sandboden ausgelegte, geometrische Muster, bestechend in ihrer Farbigkeit, geheimnisvoll in ihrer Ausgestaltung. Ergänzt wird die kraftvolle Reihung dieser Bilder durch einige bislang noch nicht gezeigte Motive aus der bekannten Blumen-Serie der Fotografin. Zusammen bilden sie ein organisches Ganzes, in dem Strukturen, Formen und Lichtspiele einander bedingen und in eine neue Welt des Sehens (ent)führen.

Hintergrund „Tihar“ – so nennt sich das „Festival der Lichter“, das alljährlich in Nepal zum ersten Neumond Ende Oktober, Anfang November gefeiert wird und sich über mehrere Tage erstreckt. Geehrt wird die Göttin Laxmi, die für Glück und Wohlstand verantwortlich ist.

An den ersten drei Tagen wird bestimmten Tieren gehuldigt, an Kag Puja der Krähe, an Kukur Puja dem Hund und an Gai Puja der Kuh. Sie bekommen ein Festmahl serviert, Blumengirlanden umgelegt, werden als Botschafter, als Beschüzter oder als Wärter der Unterwelt geehrt. Am Abend des dritten Tages beginnt der Höhepunkt des Festes, Laxmi Puja, der mit dem aufgehenden Neumond zusammenfällt. Alle Häuser sind geputzt und erleuchtet, ein Meer aus Kerzen, Lampen, Lichterketten strahlt gegen den dunkler werdenden Himmel, während Frauen auf und vor den Türschwellen komplizierte Mandalas aus Reiskörnern und Reispulver, verschiedenfarbigem Pigmentstaub und einzelnen Blütenblättern legen. Eine Linie aus rotem Ton führt ins Innere des Hauses, er ist ein Wegweiser für die Göttin Laxmi, die in der Nacht das Heim besucht und ihren Segen für die Zukunft bringt. Der vierte Tag, Maha Puja, gehört wahlweise dem Ochsen oder dem „Ich“, nun geht es um den eigenen Körper und den eigenen Geist, der Boden wird mit heiligem Wasser gereinigt, jeder malt sich ein eigenes Mandala. Am fünften Tag, Bhai Tika, ehren Schwestern ihre Brüder, applizieren ihnen ein buntes Zeichen auf die Stirn, beten für ihren Wohlstand und ein langes Leben.

In der ganzen Festzeit stehen Früchte und Süßes im Hause sowie eine Box mit Geld, im sogenannten „Puja Room“, zum Dank für die Erträge der letzten 12 Monate und die Abwesenheit des Todes. Vor allem die Mandalas aber sind es, die als Inbegriff von „Tihar“ gelten – erfüllen sie doch in ihrer konzentrierten Form und individuellen Kreation das Verdikt des Göttlichen. Sie sollen locken, führen und letzlich heilen, sie verweisen auf den Schatz im Innern, auf das Zentrum der Familie, auf die Wünsche im Geheimen. Und je schöner, ausgefallener, farbiger sie gerieren, desto größer ist die Attraktion für die Göttin Laxmi.

Die Fotografin Sigrid Rothe, geboren in Hamburg, studierte an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, bevor sie nach Erfahrungen als Stylistin ihr eigenes Studio auf der Reeperbahn eröffnete. Mit großem Erfolg arbeitete sie als Mode-, Werbe-, Architektur- und Porträtfotografin. 1985 folgte der Umzug nach New York, im gleichen Jahr begann Sigrid Rothe mit experimenteller Fotografie. Vor allem die Blumenbilder brachten ihr Anerkennung ein – mit Ausstellungen im Gropius Bau, Berlin, bei der UNESCO in Paris oder der Durst Oganisation in New York. Es folgten Lehraufträge in den USA und Deutschland.
Mehr Informationen unter: www.sigridrothe.com